Mein Weg

Manche Momente schreiben sich unauslöschlich in unser Leben ein. Für mich war es der 26. April 1986.

Ich war 12 Jahre alt, als sich in Tschernobyl eine der größten technischen Katastrophen ereignete. In wenigen Minuten wurde die Unbeherrschbarkeit und die unkalkulierbare lebenszerstörende Kraft atomarer Technik bewiesene Realität. Ich spürte tief und sehr klar: Dass das Leben ist verletzlich. Ich begann zu ahnen, dass wir lernen dürfen, mit der Erde zu leben, nicht über sie zu herrschen. Unser Weg darf einer sein, der dem Leben lauscht und es achtet.

Diese Erkenntnis wurde zu meinem inneren Kompass.

Zunächst führte er mich in die Welt der Strukturen. Ich studierte Public Management mit dem Schwerpunkt Umweltrecht – in dem Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und zum Schutz unserer Lebensgrundlagen beizutragen. Während meiner Zeit bei der Berliner Senatsverwaltung, in der ich die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie begleitete, entstand eine tiefe Verbindung zu unseren Gewässern – zu ihrer Kraft, ihrer Sensibilität und ihrem eigenen Rhythmus. Doch schon bald wurde mir bewusst, dass mein Weg mich tiefer ruft: nicht nur in bestehende Systeme hinein, sondern über sie hinaus, in etwas Neues.

So begann ich ein zweites Studium der Landschaftsnutzung und des Naturschutzes. Dort öffnete sich mein Blick für größere Zusammenhänge – und für eine Frage, die mich seitdem begleitet: Wie erinnern wir uns wieder an unsere Verbundenheit mit der Erde?

Mein Studium beendete ich mit einer Diplomarbeit zum „Stellenwert der Tiefenökologie in der Umweltbildung. Die Begegnung mit der Tiefenökologie und den Arbeiten von Joanna Macy hat diesen Weg vertieft. Aus einem Verstehen wurde ein Erleben. Aus Wissen wurde Beziehung. In den stillen Tagen meiner Visionssuche in Slowenien fand ich zurück zu meiner Wildnatur und in eine tiefe, ursprüngliche Verbundenheit mit dem größeren Ganzen.

Diese Bewegung führte mich weiter – hinaus in die Wildnatur und zugleich nach innen. In meinen Körper. In meine Weiblichkeit. Über viele Jahre hinweg habe ich mich auf unterschiedliche Weise auf diesen Erfahrungsweg eingelassen: in Frauenkreisen (u.a. Wolfsfrauen Berlin), Ritualen und Jahreskreisfesten, Ausbildungen (Wuivenkraft“ und Shakti-Ausbildung bei Antje Uffmann) und Begegnungsräumen (u.a. gehalten von Mayonah Bliss). Schritt für Schritt entstand eine tiefere Verbindung zu mir selbst – getragen von Neugier, Hingabe und der Bereitschaft, mich immer wieder neu zu entdecken.

Aus dieser Erfahrung heraus durfte ich schließlich auch andere begleiten. In Initiationsräumen für Mädchen habe ich über mehrere Jahre hinweg Übergänge gestaltet und gehalten – achtsam, stärkend und verbunden mit den Rhythmen des Lebens.


Mit Partner- und Mutterschaft kamen weitere Lernfelder in mein Leben: Beziehung, Kommunikation und die Frage, wie Kinder in Freiheit und Verbundenheit wachsen können. Daraus entstand nicht nur eine persönliche Vertiefung, sondern auch ein gemeinschaftliches Projekt – die Mitgründung einer freien Schule, die ich viele Jahre mitgestalten durfte.

Ausgehend von der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg vertiefte ich meinen Weg in Kommunikation hin zu radikaler Ehrlichkeit. 2013/2014 schloss ich eine Ausbildung zur Mediatorin ab.
In Seminaren mit Puja Diana Richardson und Raja Michael Richardson sowie Hella Suderow und Christian Schumacher (Making Love) verweiterte ich mein Verständnis von Intimität, Verbindung und gelebter Präsenz.


Und dann gab es einen Moment, der sich kaum planen lässt – und doch vieles verändert:

Im November 2019 wurde mir eine bearbeitete Feuersteinspitze übergeben. Es war kein Fundstück, sondern ein bewusstes Geschenk meiner Ahnen. Es fühlte sich an wie eine Berührung aus einer anderen Zeit. Wie ein Erinnern.

Seitdem hat sich mein Weg weiter geöffnet – hin zu den Spuren unserer Ahnen, zu alten Wissensformen, zur Weisheit der Erde. Die Verbindung dorthin ist für mich lebendig geworden – feinstofflich, kraftvoll und zugleich sehr konkret im Alltag erfahrbar.

In den letzten Jahren hat sich daraus meine heutige Arbeit entfaltet. Ich verbinde Naturerfahrung, Ahnenwissen, weibliche Wege und gemeinschaftliches Leben zu Räumen, in denen Menschen sich selbst und ihrer eigenen Tiefe wieder näherkommen können.

Mit meinem Herzensprojekt WildNaturAhnen begleite ich Menschen beim Erinnern – an ihre Wurzeln, ihre Lebendigkeit und ihre ureigene Weise, in Beziehung zu sein.

Ich gehe diesen Weg nicht als Ziel, sondern als fortwährende Bewegung.
Lauschend. Forschend. Verbunden.